Gute Laune Experiment: Der Samariter-Effekt

Über ein Experiment, das Hoffnung macht

Kennst Du das Gefühl von Weltekel?

Du schaltest die Nachrichten ein, schaust ein paar Minuten und hast das Gefühl, dass die Welt den Bach runter geht. Korrupte Politiker, Katastrophen und Terror flimmern über deinen Bildschirm. Wenn Du nicht schon nach fünf Minuten weggezappt hast, sitzt Du am Ende vielleicht da und bemerkst, dass Du jetzt so richtig in Feierstimmung bist. In Trauerfeier Stimmung.

Seufzend stellst Du fest, dass Du Dich unwohl fühlst. Traurig, wütend, hilflos. Die Welt ist schlecht und ihre Menschen besonders. Ich frage mich in solchen Momenten oft, in welche Welt ich meine Kinder geboren habe. Möglicherweise klingelt in diesem Moment Dein Telefon. Irgendjemand möchte etwas von Dir, vielleicht einen Gefallen. Enthusiastisch bist Du in diesem Gemütszustand nicht. Vielleicht reagierst Du genervt.

An dieser Stelle die gute Nachricht: Das Ganze geht auch anders herum. 

Weil ich ein ziemlicher Kopfmensch bin, stütze ich mich gerne auf Studien. Allzu gerne hätte ich diese Gabe der Gelassenheit und des unerschütterlichen Vertrauens. Aber bis ich mich selbst so weise meditiert habe, wird’s wohl noch etwas dauern. Hier also eine Studie mit handfestem Ergebnis:

Der Samariter-Effekt

Denkt mal zurück, an die gute alte Zeit der Telefonzellen.

Vielleicht wisst ihr das selbst noch. Wenn man dort ein Gespräch führte oder nur daran vorbei ging, fasste man gerne mal in das Geldfach, um zu schauen, ob darin nicht eine Münze vergessen wurde.

Der Psychologe Dale Larson nutzte diese Angewohnheit der Menschen und ging in seinem Experiment folgendermaßen vor: Er hinterlegte für einige unwissende Passanten ein 10 Cent Stück in dem Fach. Für andere wiederum nicht.

Dann ließ er wie zufällig eine eingeweihte Studentin an der Telefonzelle vorbei laufen, die einen großen Stapel Bücher trug. Just in dem Moment, als die Versuchspersonen die Zelle verließen, sollte die Studentin ihre Bücher sichtbar fallen lassen.

Wie reagierten nun die glücklichen Finder der 10 Cent Münze im Vergleich zu den leer ausgegangenen Versuchspersonen? Die Beobachtungen sind gleichermaßen verblüffend wie erfreulich.

Die Menschen, die nun um 10 Cent „reicher“ waren, halfen der Studentin 4 Mal häufiger beim Aufheben ihrer Bücher.

Man stelle sich bitte mal das Verhältnis vor. Vier mal. Für 10 Cent.

Die Konsequenz der Studie finde ich ermutigend und sie macht mir richtig gute Laune. Widerfährt Menschen etwas Gutes, so steigt ihre Hilfsbereitschaft um das Vierfache. Und das bedeutet wiederum, dass Du andere mit Deiner eigenen Hilfsbereitschaft beeinflussen kannst, es Dir nachzutun. Was in der Folge heißt, dass das ewig so weitergetragen werden kann. Tue etwas Gutes und deine gute Tat wird vierfach Früchte tragen.

In meinem Alltag muss ich öfter mal an dieses Experiment denken und ich hoffe, Dir geht es bald genauso. Es macht Lust und vertreibt die Hilflosigkeit. Und besonders gefällt mir, dass man nicht zwingend einen ungesunden Helferkomplex entwickeln muss.

Vielleicht überlässt Du heute mal jemandem den Parkplatz oder kaufst einem quengelnden Kind an der Kasse einen Lolli. Vielleicht hältst Du nur jemandem die Türe auf oder machst ein aufrichtiges Kompliment. Und wenn Dir das nächste Mal ein Fremder hilft, musst Du vielleicht genauso schmunzeln wie ich, weil Du Deine steigende Hilfsbereitschaft deutlicher wahrnimmst.

Zum Schluss noch ein Gedanke

Ich bin heilfroh, dass wir Menschen in der Lage sind Betroffenheit und Mitgefühl zu empfinden. Es bringt uns zur Veränderung und kann ebenso zu Hilfsbereitschaft führen.

Deshalb sehe ich es zwar kritisch, einfach alles Elend auszublenden und nur positiv zu denken. Aber seien wir mal ehrlich: mit hängenden Schultern anzupacken ist ungefähr so leicht, wie mit betäubtem Zahnfleisch aus einer Flasche zu trinken.

 

 

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4 Replies to “Gute Laune Experiment: Der Samariter-Effekt

  1. Hi,

    das beschriebene Experiment hat Vera F. Birkenbihl (Gott habe sie selig) sehr unterhaltsam in einem ihrer Vorträge beschrieben. Ich kann in diesem Zusammenhang kann ich ihre Vorträge nur empfehlen,diese sind ja auch z.B. auf Youtube verfügbar.

    🙂

    1. Hallo,

      ja, ich finde ihre Vorträge auch wunderbar! Sie hatte es wirklich drauf, wissenschaftliche Vorträge unterhaltsam für die Masse zu verkaufen. Auch wenn sie in der Kritik steht, pseudowissenschaftlich zu sein.
      Der Vortrag über Männer und Frauen ist mein Favorit 😉

      Beste Grüße und danke für deinen Kommentar!

  2. Hallo Frau Chaotin,

    einen tollen Einblick in die Soziopsychologie hast du mir da gegeben. Sehr schön erklärt und geschrieben. Aber was ist, wenn diese Menschen der Studentin nicht aktiv helfen wollten, sondern dies eher aus dem Gedanken heraus getan haben, dass sie ihr helfen müssen, weil sie die 10 cent gefunden haben? Also dies quasi keine Belohnung, sondern eine unbewusste Pflicht der Studentin gegenüber damit eingegangen sind (auch wenn das Geld nicht von ihr ist)?

    1. Hallo Phillip,

      du hast absolut Recht mit Deinem Einwand. Was die Forschung interpretiert, muss noch lange nicht die Realität sein, gerade wenn es um das subjektive Empfinden von Menschen geht. Wie lang möchte ich schon einen Beitrag zu diesem Thema schreiben! Wie dem auch sei: Die Botschaft des Experiments bleibt, dass Menschen, die Gutes erfahren auch Gutes weitergeben. Pflicht oder nicht Pflicht, am Ende steht die Freundlichkeitenkette.

      Liebe Grüße,

      Jenny

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