Helden des Alltags gesucht

Auf dem Bio-Blog von denn’s könnt Ihr mittlerweile schon ein paar meiner Alltagshelden kennenlernen. So  zum Beispiel die Minimalistin Pia, Tierschützerin Rebecca, Veganerin Nastasja oder den Umweltschützer Laurin.

 

Alle Personen, die dort keinen Platz finden, werden zukünftig hier von mir vorgestellt. Worum es bei dem Projekt geht, könnt Ihr in diesem Einführungstext von mir nachlesen.

2014-08-05 11.47.07

Ich liebe Menschen, die sich trauen aus der Reihe zu tanzen. Wenn sie das Ganze dann noch zum Wohle der Gesellschaft tun, möchte ich ihnen ein Siegertreppchen basteln und ihnen vor Freude überschwänglich auf die Schulter klopfen.

Wir neigen ja schon ein bisschen dazu, uns automatisch „den Guten“ zuzuordnen. Die Umsetzung ist hier Definitionssache. Einer hält sich für einen vorbildlichen Menschen, wenn er regelmäßig seinen Rasen gemäht hat und damit die Nachbarschaft verschönert. Andere finden es wichtig, einwandfrei allgemeingebildet zu sein und eine ordentliche Berufsausbildung vorzuweisen. Ein Dritter gibt sich damit zufrieden, wenn er Online Petitionen unterschreibt oder sich gemeinschaftlich gegen die Rundfunkgebühren „erhebt“. Und der Vierte hat ein gutes Gewissen, wenn er pünktlich Steuern zahlt und alle paar Zeiten seine Stimme abgibt.

Gegen keines der aufgezählten Dinge habe ich etwas einzuwenden. Unsere Gesellschaft wäre nicht das was sie ist, wenn nicht jeder von uns seinen Beitrag leisten würde. All die aufgereihten Verhaltensweisen sind wertzuschätzen aber fallen eben doch nicht aus der Reihe. Sie sind gesellschaftlich anerkannt und meist erwünscht. Sie erfordern wenig Courage und sind häufig sehr bequem. Sie entsprechen dem Leitbild eines vorbildlichen Bürgers.

„Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, dann ist es Zeit sich zu besinnen.“ (Mark Twain)

Allzu oft habe ich aber das Gefühl, dass das, was wir unter einem ordentlichen Bürger verstehen, einen Hauch von Ignoranz und Bequemlichkeit hat. Hauptsache der Norm entsprechend. Ist es anerkannt, dann muss es auch gut sein. Und dann darf Herr Saubermann auch mit dem Finger auf andere zeigen.

Wir blättern in unseren Zeitungen und verurteilen gierige Großkonzerne – um im nächsten Moment zu Dumpingpreisen einzukaufen. Wir echauffieren uns über Blöd Zeitung und Sensationsgier, nur um im nächsten Moment ausgiebig mit den Arbeitskollegen zu tratschen. Wir finden Machtmissbrauch ganz furchtbar – und trauen uns doch nicht vermeintlichen Autoritäten zu widersprechen. Irgendwie sind es meistens die Anderen, die sich falsch verhalten. Irgendwie gerät gerne mal in Vergessenheit, dass jeder Einzelne von uns in der Summe genau diese Gesellschaft bildet.

Die Menschen, über die ich deshalb bloggen möchte, sind Querdenker. Leute, die anerkannte Verhaltensweisen überdenken und keinen Knigge benötigen, um moralisch zu handeln. Personen, die unbequeme Wege gehen. Ich liebe Selbstdenker und Nein-Sager.

Die Lust am eigenen Denken erfordert den Mut, die Komfortzone zu verlassen

Nur ein Beispiel. Ich als Mutter komme immer wieder in die Situation, in der mir mein Gegenüber erklärt, man müsse seinen Kindern „etwas bieten können“. Etwas bieten können heißt in dem Fall etwas kaufen können. Zum Beispiel neue Klamotten, Spielsachen, Ballettunterricht, was auch immer. Vorher sollte man sich unter keinen Umständen fortpflanzen. Das wäre dann auch irgendwie asozial. Außerdem liefe man selbstverständlich Gefahr, dass die Sprösslinge später in der Schule gemobbt würden, wenn der Wohlstand fehlt. Ist ja auch logisch, welches Kind will schon Liebe und Aufmerksamkeit, wenn es ein iPhone und eine Ausbildung auf der Privatschule haben kann?

Aktuelle Medienberichte bestätigen diese Mentalität junger Paare. Erst Wohlstand, dann Kinder. Mal von der allseits bejammerten Geburtenrate abgesehen, finde ich es unendlich traurig, welche Werte wir so hartnäckig als „Gut“ verteidigen. Mein Mann und ich sind vor fünf Jahren zum ersten Mal Eltern geworden. Wir hatten ein verschwindend geringes Einkommen, mein Mann war auf Arbeitssuche. Man möge sich die allgemeine Empörung vorstellen! Das Unverständnis begegnete uns in Form von Mitleid, Respektlosigkeit und blankem Entsetzen.

Heute sieht die Sache zwar ganz anders aus und wir müssen uns diesbezüglich nicht länger rechtfertigen. Auch lebe ich meinen Kindern gerne die Bedeutung einer sinnvollen Tätigkeit vor. Aber ich bin unsagbar froh, dass wir damals diesen unkonventionellen Weg gegangen sind. Denn heute sind wir nicht nur stolze Eltern zweier Kinder, sondern auch noch um die Erfahrung reicher, was es bedeutet gegen den Strom zu schwimmen und auf sein Bauchgefühl zu hören.

Wer sich nicht der Norm anpasst, nimmt das Risiko der Ausgrenzung in Kauf

Es ist einfach in der Anonymität der Masse unterzutauchen. Das gibt Sicherheit, das ist bequem, bringt aber kaum Veränderung in Gang. Darum bin ich immer wieder hellauf begeistert, wenn ich auf Menschen treffe, die ihren eigenen Kopf haben. Kleine Idealisten, die bereit sind auf ihre Bequemlichkeit zu verzichten. Menschen, die sich mit ihrem Lebensstil zu Minderheiten zählen und deshalb auch mal anecken. Immer ein bisschen dem Gesetz des kategorischen Imperativs folgend.

Das kann der Umweltschützer sein, der allen mit seinen Fahrgemeinschaften auf den Keks geht. Das können regimekritische Personen sein, die sich lieber mit brotloser Kunst durchs Leben schlagen, als sich jeden Tag gut bezahlt an einen x-beliebigen Arbeitgeber zu verschreiben. Das kann die Kollegin sein, die sich gegen den Geschenkewahn an Heilig Abend ausspricht und sich damit auf der Weihnachtsfeier unbeliebt macht. Das kann aber auch der HartzIV Empfänger sein, der sich lieber der Schmach der Gesellschaft stellt, als ein Stellenangebot anzunehmen, bei dem Mensch und Tier ausgebeutet werden. Vereinsgründer, Hanfaktivisten, Minimalisten – der Fantasie sollen hier keine Grenzen gesetzt sein.

Genauso gut können das aber auch ganz kleine Alltagsdinge sein. Der Gast, der Aufrichtigkeit so wichtig finden, dass er sich in Restaurants unbeliebt macht. Der Konsument, der sich nicht schämt Second Hand Kleidung zu tragen, weil er mit dem gesparten Geld fair gehandelte Lebensmittel kauft.

All diese Menschen haben garantiert etwas gemeinsam: Sie brauchen Mut und sie gehen Wege des Widerstands. Einige werden belächelt oder gar angegriffen. Als faul, geizig, merkwürdig oder anstrengend betitelt. Aber sie nehmen das in Kauf. Weil sie zu ihren Werten stehen. Weil sie finden, dass praktische Vorbilder oft größere Wirkung haben, als ein verabschiedetes Gesetz. Weil sie sehen, dass es nicht reicht über die Welt und ihre Ungerechtigkeiten zu diskutieren. Und weil sie erkannt haben, dass uns als Individuen eines ganz sicher bleibt: die Möglichkeit zum richtungsweisenden Verhalten.

Genau diese Personen möchte ich in meinem Blog vorstellen. Denn ich finde Euch wunderbar. Ihr Gutmenschen und Weltverbesserer gebt mir das Gefühl, dass es noch Personen gibt, denen nicht alles egal ist, solange sie satt im warmen Stübchen sitzen.

Erzählt mir von alltäglichen Heldentaten und lasst mich darüber schreiben

In diesem Blog soll es nicht um Richtig und Falsch gehen. Das darf und will ich gar nicht beurteilen. Deshalb brauche ich Eure Mithilfe.

Wer ist in Euren Augen ein Alltagsheld? Welcher Normen werft Ihr zum Wohle der Gesellschaft über den Haufen? Wo eckt ihr an oder brecht Tabus? Ich bin sehr gespannt auf Eure Geschichten.

Ob anonym oder mit Foto soll zweitrangig sein. Wichtig ist nur Euer gelebtes Ideal und Eure Begegnungen im Alltag. Schickt mir einfach eine E-Mail (soziochaotin@outlook.de), kommentiert bei Facebook oder meinen Beitrag. Ich freue mich jetzt schon auf Euer Feedback!

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